(geb. Pfeiffer)

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Agnes Krumwiede hat recht

Gepostet am 9. August 2012 ·

Die kulturpolitische Sprecherin der grünen Bundestagsfraktion Agnes Krumwiede hat in einem Gastbeitrag für die F.A.Z. den Satz geschrieben:

Wer Gewinne durch kulturelle Inhalte erwirtschaftet, muss einen fairen Anteil an deren Urheberinnen und Urheber leisten.

Damit hat Krumwiede zweifelsohne recht. So steht es auch im § 32,UrhG „Angemessene Vergütung“, das ist eine Selbstverständlichkeit.

Überschrieben ist der Artikel aber mit: „Die Gema und die Gier der Internetgiganten“ und beim Lesen fühlte ich mich an Colonel („Ich liebe den Geruch von Napalm am Morgen”) Kilgore aus Apocalypse Now erinnert: Krumwiede wettert gegen die Initiative gegen ein Leistungsschutzrecht („IGEL”), die von Google „finanziert” würde, ohne zu belegen, welche IGEL-Argumente sie für falsch hält. Auch im Streit YouTube vs. GEMA hat Krumwiede den Dont-be-evil-Bösewicht ausgemacht: Google verdiene Geld mit kulturellen Inhalten, ohne die Urheberinnen und Urheber fair dafür zu entlohnen.

Aber ist das wirklich so? Verdient Google Geld auf Kosten der Urheberinnen und Urheber? Ich glaube, hier liegt Agnes Krumwiede falsch und sie hat nicht recht. Schauen wir uns einmal die beiden Bereiche Leistungsschutzrecht (LSR) für Verlage und den Streit GEMA vs. Youtube an:

Leistungsschutzrecht für Verlage

Google bietet den Dienst Google News an. Mir ist noch keine Google News-Seite vor die Tastatur gesprungen, auf der Werbung eingeblendet würde. Ein Google-Vertreter begründete das einmal damit: »„Tote in Kundus” – solche Schlagwörter monetarisieren nicht.« Niemand wolle daneben Werbung einblenden. Auch wenn man  z.B. nach „Krumwiede” sucht, wird keine Werbung eingeblendet:

Mit Google News werden offensichtlich keine Werbe-Gewinne erwirtschaftet und der Dienst ist kostenlos für Nuterzinnen und Nutzer. Wer nicht mit Google zusammenarbeiten möchte, weil ihm oder ihr der Dienst suspekt ist, kann die Zusammenarbeit ohne Aufwand einseitig kündigen, eine Zeile Code genügt:

<meta name=”googlebot-news” content=”nosnippet”>

Diese eine Zeile verbietet Google, kurze Vorschautexte unter den Suchergebnissen einzublenden – und Google hält sich an dieses Verbot.

Mit anderen Worten: „Wenn Google Gewinne durch kulturelle Inhalte erwirtschaften würde, müsste es einen fairen Anteil an deren Urheberinnen und Urheber leisten.“ Tut Google aber nicht. Und selbst wenn es das täte, wäre der gesetzte Link und damit mehr Besucher auf der Zielseite ein ausreichender Lohn.
Update: Das Urheberrecht greift an dieser Stelle noch nicht, weil die Text-Auszüge zu kurz sind und deshalb die notwendige Schöpfungshöhe nicht erreichen.

Wer Google und Google News trotzdem nicht mag, kann es sehr leicht abschalten und damit Google den Rohstoff entziehen.

Google versus GEMA

Google verhandelt mit der GEMA darüber, wie teuer ein Klick auf ein GEMA-geschütztes Musikvideo bei YouTube sein soll. Beide Parteien sind sich bisher noch  nicht handelseinig geworden: Offensichtlich verlangt die GEMA mehr, als Google zu zahlen bereit ist. Die Folge: Diese Videos sind in Deutschland nicht verfügbar. Google verdient aber mit nicht verfügbaren Videos auch keinen Werbe-Cent.

„Wer Gewinne durch kulturelle Inhalte erwirtschaftet, muss einen fairen Anteil an deren Urheberinnen und Urheber leisten.” ist richtig.  Und Google erwirtschaftet eben keine Gewinne mit GEMA-geschützten Inhalten, weil sie schlichtweg in Deutschland nicht verfügbar sind.

Das ist doch gerade das, was Agnes Krumwiede möchte: Fremde sollten mit urheberrechtlich geschützten Werken nicht ohne Erlaubnis Geld verdienen können. Google tut das nicht. Warum also dieser Hass? Kann mir das jemand in den Kommentaren erklären?

Beiträge zum Thema:
Geld verdienen mit YouTube
Revenue Sharing at Google
Die Krumwiede und die Gier nach keiner Veränderung

9 Kommentare

  1. Mein Erklärungsansatz: Die Forderung richtet sich ja gegen die Menschen, die dei GEMA einseitig für den GEMA-YT-Streit verantwortlich machen. Und das sind eine ganze Menge unreflektierter Nutzer (siehe zB “GEMA kacken”). Insofern macht der Hinweis schon Sinn.

  2. Wenn Agnes diese Menschen ansprechen wollte, sollte sie nicht in der F.A.Z. veröffentlichen.
    Und diese Menschen auch genau benennen.

  3. Kann es sein, dass Frau K. gemeint hat: “Liebe Verlage, ich finde es prima, dass ihr eure freien Mitarbeiter jetzt besser bezahlen wollt. Schön, dass Google euch kostenlos dabei hilft und euch Besucher auf eure Webseite schickt. Bitte riskiert das Ged für eure Mitarbeiter nicht dadurch, dass ihr Google dazu zwingt, euch aus der Sche auszublenden.”

    Ich glaub das wollte sie sagen.
    Alles andere wäre ja unsinnig.

  4. Es kann gut sein, dass rjonathan in diesem Fall Recht hat.

    Wie Thomas Pfeiffer aber richtig sagt, sollte man dann nicht die F.A.Z als Sprachrohr nutzen. Die F.A.Z erreicht nun einmal alle Menschen und nicht die unreflektierten Nutzer. Um diese Personen zu erreichen, sollte Frau Krummwiede vielleicht den direkten Dialog suchen und auf solche Massenpublikationen verzichten.

    Das ist meine Meinung dazu!

    Jessica

  5. jessica?
    Du meist also, sie sollte einfach mal mit ejdem redebn, der das Internet nicht verstanden hat?

    Ach nee, Du bist nur ne Spamkommentatornin, na dann.

    Gerr Pfeiffer, übernehmen Sie ;)

  6. Oliver?

    Was hat das mit Spamkommentar zu tun? Meinen Sie wirklich, dass die Zielgruppe Leser der FAZ sind? Zielgruppe sind doch eher Jugendliche, die man über andere Kanäle erreichen muss.

  7. Jessica, Deine Homepage ist also eckarte.org ?

    Und ja, ich meine, dass dein Reaktionstext komplett sinnfrei(tm) war ;)

    Zielgruppe des FAZtextes waren Politiker, die bitteschön Gooogle eien abgabepflicht aufdrücken sollen. MIt Jugendlichen hatv das Thema LSR nahezu NICHTS zu tun.

  8. Hallo Oliver,

    ja, ist es.

    Da muss ich dir Recht geben. Habe den Artikel völlig falsch verstanden. Mein Kommentar bezog sich auf die Geschichte Gema vs. Youtube. Da sehe ich eher die Jugendliche als Zielgruppe.

    Bei der Abgabepflicht ist diese Zielgruppe wohl eher zu vernachlässigen…

    Sorry ;-)

  9. Ne SEOseite als Homepage, auch ne Form von… naja ;)